Meine Bilder sind Kompositionen, die meist eine große Vielfalt verschiedenster Strukturen zeigen, Strukturen, die wir zu kennen
meinen. Vielleicht meinen wir Holz, bedrucktes Papier oder Textilien zu sehen, vielleicht aber nehmen wir rein graphische Strukturen
wahr, Strukturen, die uns an vertraute Materialien erinnern. Was sich hier so vertraut darstellt, läßt uns doch auf gewisse Weise im
Unklaren...
Wellenförmig bewegt sich die Maserung von ungehobeltem Holz. Jute hat ihre eigene, typisch rauhe Gewebestruktur. Blicken wir auf die Oberfläche dieser Bilder,
stellen wir fest, dass diese völlig eben und glatt ist. Wir glauben Jute zu sehen, doch glatte Jute kennen wir nicht. Um die Jute als solche identifizieren zu können,
fehlt uns die räumliche Oberflächenstruktur eines groben, rauhen Gewebes. Materialien mit dreidimensionaler Struktur, erscheinen hier auf ungewohnt graphisch
zweidimensionale Weise. Betrachten wir die Bilder, so entsteht oft auch der Eindruck, als gingen einzelne Materialien ineinander über, so, als mischten sie sich.
Alltäglich gewohntes wie Holz, wird transparent, gleichsam gläsern, läßt andere Qualitäten durchschimmern. Es entsteht ein vielschichtiges Spiel aus graphischen
Strukturen, Mustern und Rythmen. Nach dem Zusammenleimen mehrerer Schichten verschiedener Materialien in einer dafür konstruierten Presse, beginnt der
Schleifprozeß, während dessen sich das Bild vor meinen Augen entfaltet. Das Schichtwerk aus verleimten Materialien wird nun geschliffen bis „diese Ge-Schichte“
ihr endgültiges Stadium erreicht hat. Was wir sehen, ist ein Schnitt durch die Schichten der verschiedenen, zuvor aufgebrachten und miteinander verleimten Materialien.
Wir sehen einen Schnitt durch die Ge-Schichte des Bildes (Die Arbeit ähnelt ein wenig der eines Archäologen, der sich durch die verschiedenen Schichten
menschlicher Geschichte gräbt und nach und nach freilegt, was sich in einem langen Zeitraum übereinander angesammelt und abgelagert hat). Mit dem allmählichen
Abtragen der verschiedenen, zuvor übereinandergeschichteten Materialien geht eine langsame Bewegung einher. Bestimmte Strukturen tauchen auf,
drängen in den Vordergrund, andere weichen, machen ihnen Platz und werden zu Staub...
Die Bilder in ihrem jetzigen Zustand sind Momentaufnahmen dieses Prozesses (ähnlich der soeben für beendet erklärten Ausgrabung).
Die Bewegung ist zum Stillstand gekommen und doch könnte sie jederzeit fortgesetzt werden. Ich möchte den Betrachter einladen, diese Bewegung fortzusetzen,
in die Oberfläche einzutauchen, Schicht um Schicht zu durchdringen, vom Sichtbaren zum Unsichtbaren, vielleicht auch vom Visuellen zur Vision, denn: Das
Sichtbare ist nur ein kleiner, vielleicht sogar äußerst unbedeutender Teil dessen, was ist. |